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Blog - Terrassen und Steilhang – Eine Erlebnistour in den Höhenlagen der Mosel mit Stefan Steinmetz online kaufen / bestellen bei Weine.de

von Anja Morbach 26.10.2013 20:00

26.10.13 08:00

Neben Stefan im Unimog fahren wir von Brauneberg bis zur Moselschleife hinter Wintrich und Stefan erzählt mir die Geschichte des Weinberges, den wir heute lesen werden. Ich höre sie mit Erstaunen an und wunder mich, was für ein Weinberg uns erwarten wird wenn wegen eines Stück Felsens ein solch immenser Aufwand betrieben wurde. Es brauchte schon überreiche und fanatische Familien die damals, als die Löhne nur gefühlte 10 Pfennige Tagessatz betrugen, Schiefersteine aus und in den Weinberg tragen ließen. Und wozu das Ganze? Ganz einfach: für steile Weinberge in optimaler Ausrichtung, für mineralischen Dünger und für schicke Schiefer-Weinkeller unter prunkvollen Schiefer-Jugendstilvillen.

Über die ersten beiden Faktoren kann sich ein jeder von uns heutzutage freuen. Denn Stefan Steinmetz, der das Weingut Günther Steinmetz führt, macht aus den alten wurzelechten Reben die in dieser extremen Lage wachsen einen großartigen Wein: den Riesling Piesporter Treppchen von den Terrassen, den es im nächsten Jahr auf der Flasche geben wird.


Weinlese mit Stefan Steinmetz

Man sieht den Wein vor Bäumen nicht

Wir kommen an - aber keine Spur von Weinberg?! Das Auto hält mitten im Wald. Ich springe aus der hohen Fahrerkabine, schnappe mir einen Eimer und eine Schere und folge den anderen einen schmalen Pfad entlang (im Bild rosa markiert). EntLANG ist das richtige Wort, denn es sind hunderte von Metern auf rutschigen Blättern, zur Linken mächtige Schiefermauern die einen ins Tal zu schubsen drohen. Stolpern ist hier ungünstig um es mal milde auszudrücken. Mit den Augen auf den Boden gerichtet und jeden Schritt prüfend stapfe ich in meinen Stiefeln vorwärts bis der Trampelpfad endet. Wie im Bilderbuch öffnet sich auf einmal das Moseltal vor uns: hinter uns liegt der Wald, vor uns der ersehnte Weinberg über dem Abgrund. Der Ausblick ist wunderschön!

Hals- und Steinbruch für das Schiefermehl

Ich sehe den Weinberg und Stefans Geschichte schießt mir den Kopf. Verrückt mussten die damals sein. Absolut größenwahnsinnig! Denn sie haben damals den steilen Berg in Sonnenrichtung gesprengt, Schieferwände glatt gemeißelt und Mauern aufgesetzt, dann Schiefersteine über den ewig langen und schmalen Trampelpfad in eine extra dafür errichtete Mühle getragen und dort die Steine zu Steinmehl gemahlen. Nein, das ist kein Witz!

Dieses Schiefermehl wurde wieder zurück in den Weinberg getragen und als mineralischer Dünger im gleichen Weinberg verteilt. Alles genauso wie vorher, nur eben feiner. Und das vor über 100 Jahren, als es noch keine Aufbereitungsanlagen gab. Tausende Schritte und hunderte von Arbeitsstunden muss das gebraucht haben. Handarbeit heißt die Devise.

Nostalgie aus unterschiedlichen Perspektiven...

Auch wenn die Bearbeitung des Terrassensteillagenweinbergs auch heute noch schweißtreibende Handarbeit bleibt, freuen wir uns über die Pioniere von damals. Der Weinberg sieht fantastisch aus: richtig dicke Stämme der alten, wurzelechten Reben. Der fast schwarze Grund ist von Schiefer und Quarzit durchsetzt. Die Aussicht von weit oben über die flachen Lagen auf der anderen Moselseite ist idyllisch und märchenhaft. Hier wachsen göttliche, kleinbeerige Trauben.

Wir fangen bei dem untersten Stock in schwindelnder Höhe an und arbeiten uns nach oben. Mir tun die Jungs leid, die Eimer tauschen und die Trauben zum Traubenwagen tragen müssen. Das schwere Gewicht auf dem Rücken und dann noch den schmalen Pfad der Tugend entlang laufen… wirklich kein Ponyhof. Stefan war so gut, mir den Weg zu ersparen und meinen Eimer zu leeren. Ein wahrer Gentleman. Ich warte auf meinen leeren Eimer und nasche Trauben. Mmmmm! Die Trauben schmecken fantastisch.

...und dann wuschhhh!

Während der Lese ist der Mund ja meistens frei und so hatte ich stundenlang die Gelegenheit, Stefan über alles auszufragen was mich so brennend interessiert. Von seiner Weingutsübernahme, seinen Änderungen im Betrieb, seinen Ausbaumethoden, seinem aktuellen Status und von seinen Visionen. Sehr spannend und unterhaltsam! Ein Winzer mit Chrakter der Weine mit Charakter liebt. Und schwups, war die erste Parzelle bis 12.00 Uhr gelesen. Genau pünktlich, denn Mama Steinmetz bringt leckeres Essen in den Weinberg. Naja, nicht ganz bis zum Weinberg. Nur in den Wald und wir marschieren wieder den schmalen Pfad entlang um uns ein Päuschen zu gönnen. Nach dem Essen geht es einen anderen, diesmal breiten Waldweg steil hinauf (roter Pfad im oberen Bild). Stefan erklärt, dass die oberste Terrasse nur von dort erreichbar ist. Nach einigen hundert Metern matschigem Waldweg finden wir uns auf einem schmalen Pfad zwischen Felswand und Abgrund wieder. War ja klar, dass es weiter oben nicht leichter werden würde an die Trauben heran zu kommen. Nach weiteren hundert Metern wird mir wieder die grandiose Aussicht auf die steilen Moselhänge und den göttlichen Weinberg geboten.

Diesmal lesen wir von oben nach unten. Dann plötzlich passiert es… ich wechsel von einer Rebe zur nächsten, stabilisiere noch den Eimer hinter dem Stock und wuschhh, schlitter ich die Weinbergszeile hinunter. Auf dem Po. Mehrere Meter. Unbeabsichtigt. Dabei bin ich Steillagenerprobt als Winzerstochter. Aber dieser Berg ist sooo steil! Besonders die oberste Terrasse hat locker 70 Prozent Steigung. Eben eine echte Terrassensteillage.

Leidenschaft, Talent und ein Leuchten in den Augen

Ich danke Stefan Steinmetz für die aufregende Geschichte der verrückten Weinbergsmineralisierung durch die steinzerstaubende Mühle, für die atemberaubende Aussicht auf das Moseltal und für die zukünftige Aussicht auf einen grandiosen Riesling, den ich dann nächstes Jahr verkosten kann. Zu meiner Frage, was für einen Riesling er aus diesem Wein machen wird, meint Stefan mit einem Leuchten in den Augen: "das wird ein Freak-Wein!". Er kann es eben, das Weinmachen. Sein Talent gilt nicht nur dem Riesling sondern auch den roten Rebsorten.

Fazit: felsiger Steilhang rockt! Die Trauben haben 93 Ochsen Zugkraft und ich hatte eine Menge Spaß.